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Abgelegt unter (Rico) von Rico am 27-02-2008

Zweitausender?Bocksteindsc002111.JPG

Das Wetter versprach letzten Sonntag 16°C und 3er Südwestwind, optimale Bedingungen für Serrig oder Ockfen. Ich weiß gar nicht so recht wo ich anfangen soll, auf jeden Fall viel die Entscheidung auf Ockfen, da Serrig bei solchen Tagen total überlaufen ist. Um 11:30 lag das Tal noch total im Nebel und verlieh (von der Rampe aus) den Eindruck, man stände auf einem “Zweitausender” über den Wolken.Für mich war dies der erste Flugtag in Ockfen, da vor vier-fünf Jahren das Gelände aufgrund Problemen mit den Geländeeigentümer vorübergehend stillgelegt worden war. Um die Probleme aus der Welt zu schaffen wurde die Rampe um etwa 50m versetzt und stand somit auf einer anderen Parzelle. Einen Nachteil hatte jedoch der Umbau. Neben der Rampe steht ein riesiger Felsbrocken, welcher in Extremsituationen ein nicht unwesentliches Gefahrenpotential darstellt.

Der erste Start war sehr gut, der Aufwind reichte jedoch noch nicht aus, so dass ich nach kurzen „Achten“, zum Landplatz flog. Mir fiel jedoch auf (die Vermutung hatte ich auch schon beim ersten Flug in Neumagen), dass der Drachen, wenn ich die Hände von der Basis nehme sehr langsam wird und sich bei 25 km/h einpendelt- natürlich viel zu langsam getrimmt. Also schraubte ich nach der Landung den Turmfuß ein Loch weiter nach vorne.

Der zweite Start war ein regelrechter Albtraum. Am Start hatten wir ca. 25-30 km/h Wind. Als ich startete, erfasste mich nach dem ersten Schritt eine Böe und senkte mir den Flügel. Normalerweise kein Problem, doch da war noch der große Fels, welche mir sofort ins Gedächtnis schoss. Im gleichen Augenblick hörte ich auch schon den lauten Knall. Zum Glück habe ich ein Randbogengerät, so dass das Kohlerohr (laut Aussagen von Zuschauer) nachgab und den Aufprall dämpfte. Da flog ich nun mit fast keiner Geschwindigkeit ein paar Zentimeter über die Ginsterbüsche, rechts neben der Rampe. Meine Reaktion war aber sehr gut da ich direkt nach der Kollision die Basis durchzog und jedes Gramm meines Körpers in die linke Ecke des Trapezes quetschte. Eigentlich hatte ich mich schon in den Büschen gesehen, schaffte es aber doch. Kurzer Kontrollblick zum Randbogen- ok, alles dran, dann kann’s ja weiter gehen. Nach zwei drei Achten hatte ich auch schon 80 m Startüberhöhung, den Flug konnte ich aber nach diesem Start verständlicherweise nicht genießen. Ah ja, viel mir in der Luft ein, da war ja noch die Trimmänderung. Mein Guter Space pendelte sich jetzt bei loslassen der Basis bei 33 km/h ein. Optimal……

Nach ca. einer halben Stunde Flugzeit entschied ich mich zum Landeplatz zu fliegen, da mir der Start immer noch im Magen lag. Zeitgleich gab es einen lauten Knall, konnte mir aber in diesem Moment keinen Reim darauf machen und dachte ich hätte mich getäuscht. Wenige Sekunden nach mir landeten zwei weitere Vereinskameraden, der eine Mitte Landeplatz, der zweite ca. 100 m hinterm eigentlichen Landeplatz, was mich schon stutzig machte. Die beiden Kameraden sind tatsächlich in der Luft zusammengestoßen in einer Höhe von ca.50 m über Start.

Beide haben sich absolut nicht gesehen. Der tiefer fliegende Drachen kollidierte mit Turm und Unterverspannung die Hand des Piloten und dessen Basis, worauf das Vario abriss, die Basis verbog und dessen Helm stark beschädigt wurde. Durch den Aufprall verbog beim zweiten Drachen der Tumfuß und dessen kpl. Oberverspannung samt Segel riss. Kaum zu glaub dass beide noch landen konnten. Da ich in meinem Gurtzeug immer ein kleines Verbandskissen mit führe, gibt’s beim DHV für 19 Euro und kann ich jedem empfehlen, konnte ich die blutende, aufgeschürfte und stark angeschwollene Hand sofort desinfizieren und Verbinden. Der zweite Pilot dessen Oberverspannung riss, blieb zum Glück unversehrt.

Da standen wir nun bei bestem Sonnenschein, ich mit einem Albtraummäßigen Start, und die anderen noch immer bleich im Gesicht, geschwollener Hand und kaputten Drachen. Was soll ich dazu sagen?! Dies sind Tage, in denen ich das Hobby in Frage stelle. Meine Frau war auch nicht sehr begeistert, aber ich musste Ihr einfach davon erzahlen…..Die beiden Piloten hatten ein verdammtes Glück. Bei Gerätebruch hätte die Reaktionszeit und die Höhe niemals ausgereicht um die Rettung sicher zu entfalten……………Ich versuche diesen Tag positiv zu sehen und auf jeden Fall daraus zu lernen. In Zukunft werde ich bei 30er Wind eine ruhige Phase abwarten um zu starten. Was die Kollision angeht war und bin ich sowieso ein Pilot, der lieber landet wenn zuviel Metall in der Luft fliegt.

Jetzt weiß ich warum der Berg bei Ockfen „Bockstein“ heißt.

Glückauf, Rico


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Kommentare:
1 Kommentar geschrieben zu "Bockstein, gemischte Gefühle…"
Detlev am 28. Februar 2008 um 10:21 Uhr

Na, da hast Du ja gleich alle Facetten unserer schönen Sportart erlebt. Davon darf man sich aber nicht aus der Ruhe bringen lassen und zu Hause kann man manchmal auch nicht alles erzählen :-) Immerhin konntest Du trotz verpatztem Start noch ne Weile schön am Hang fliegen und den Drachen trimmen.

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