Es kann eben nicht immer gut laufen …
Als sich am späten Freitag mein Vater zu Besuch ankündigte, dachte ich, den perfekten Kompromiss aus Familie und Fliegerei gefunden zu haben. Alle ins Auto und Samstag früh ab nach Altes Lager. Tagsüber Fliegen – mein Vater macht den Rückholer – abends nach Berlin und am Sonntag nochmal fliegen und Maik kann in der Sonne “abhängen”. Nur fliegerisch wars – naja – überflüssig.
Das Wetter entwickelte sich am Samstag nicht wunschgemäß. Der Südwestwind bließ viel kräftiger, als erwartet und machte die Wahl des Startplatzes nicht gerade einfach. Nachdem ich am Nordstartplatz aufgebaut hatte, mussten wir zum Südstart umziehen … viel Schlepperei, aber ich hatte ja Hilfe. Eben dort angekommen begrüßte uns kräftiger Wind mit 90 Grad von links. Ich nutzte nach langer Warterei eine der kurzen Phasen mit nur 45 Grad Seitenwind … Nach relativ langen Startlauf hob ich auch endlich ab.
Gerade mal 5 Meter über dem Boden hielt mich die Zugregulierung der Winde für einen Gleitschirm und regelte soweit ab, dass ich langsam wieder in Richtung Heimatplanet sank und schließlich den Seilfallschirm überholte (siehe Foto – geöffneter Seilschirm!). Mir gelang es noch, zu klinken, dann stand ich schon wieder auf dem Boden – zum Glück butterweich!
Bis 16 Uhr verbrachte ich die Zeit mit der Warterei auf eine andere Winde und startbare Bedingungen – die nicht kamen. Also: einpacken – Ende.
Der Sonntag Vormittag war zunächst blau und ruhig. So ruhig, dass Henry noch bis nach 12 Uhr Tandemflüge machen konnte und von der ruhigen Luft “schwärmte”! Der Wind war noch kräftiger als am Vortag und Thermikbegin war erst gegen Mittag bei 29 Grad (!!!) angesagt. Gegen 13 Uhr zeigten sich die ersten tiefen Cumuli am Horizont. Aufbauen!
Bei wieder 45 Grad Seitenwind verlief der Schlepp reibungslos. Noch am Seil bemerkte ich jedoch, dass sich (wieder mal) der Rückenhebel für die Neigungsverstellung meines Gurtes verhakt hatte und ich mit dem Kopf im Normalflug viel zu tief hing. Mehrere Versuche, ihn in der Luft zu lösen, scheiterten. In dieser Position kann man keine 15 Minuten anständig Fliegen und so entschloss ich mich, zu landen und das Problem zu beseitigen. Extrem Ärgerlich weil es gerade richtig gut und großflächig über der Schleppstrecke nach oben ging und ich mich schon wegfliegen sah. Ich war sauer!
Die Reparatur dauerte 3 Minuten. Bis ich jedoch wieder in die Luft kam sollte eine ganze Stunde vergehen … Helmreihe … Windenprobleme … etc.
Als ich endlich wieder am Seil stand, hatten sich die Bedingungen deutlich verschärft. Der überregionale Wind hatte mit der herannahenden Kaltfront deutlich zugenommen und verstärkte sich noch durch die über den Platz rauschenden Ablösungen. An Gleitschirmstarts war nicht mehr zu denken. Der Schlepp war problemlos und brachte eine sehr gute Klinkhöhe. Leider fand ich anschließend nur noch winzige verblasene Thermikfetzen, die sich nicht mehr ausfliegen ließen. 15 Minuten später setzte ich bei Starkwind zur Landung an. Ein paar Zentimeter über dem Boden sauste mir die nächste Ablösung um die Ohren und hebelte mich leicht zur Seite. Statt auf die Füße, ging ich sanft auf den Bauch. Bei der leichten Seitwärtsbewegung versagten leider auch die sonst zuverlässig arbeitenden Kufen ihren Dienst und ich drückte beim Aufsetzen (seltsamerweise ganz leicht) das linke Steuerbügelseitenrohr zu Bruch.
Da dies für mich der erste geschrottete Steuerbügel bei einem Combat war, war ich ein wenig überrascht, wie leicht so ein Ding bei seitlicher Belastung verbiegt. Ich hätte da mit weniger Sensibilität gerechnet. Da ich leider keinen Ersatz dabei hatte, war der Tag damit für mich beendet – hätte aber auch sonst keinen nennenswerten Flug mehr gebracht.
Abbauen – Einpacken – Heimreise